Dorothea Bohde zur Rumford-Suppe und ihrer Entstehung


"Die soziale Integration des Menschen wurde zu allen Zeiten in der Kunst am Thema "Tischszenen" gezeigt. Ein Sinnbild der Familie ist das gemeinsame Essen, das sowohl Moment des gemeinsamen Schweigens, als auch der Kommunikation sein kann. Historisch betrachtet hatte die Küche lange Zeit den Anspruch, der Ort des häuslichen Geschehens zu sein."
(D. Schürer)

Rumford-Suppe
Teil meiner Arbeit zum Thema: "Erbarmen als soziale Form" ist eine Suppe.

Die Rumfordsuppe ist für mich nicht "Kochen als Kunstform" sondern eine Metapher für die Gier nach Geiz, die Kälte eines Sozialversuchs der Menschen wie Haustiere behandelt, bzw. politisch und sozial ruhigstellt.
Es ist zugleich eine Metapher für die Optimierung von Gewinn.
Benjamin Thompson, der spätere Graf Rumford hätte das entrüstet von sich gewiesen (an der Stelle schrieb mein Mac
"Rufmord" statt Rumford - höchst bemerkenswert) - er hatte beste Absichten. Wir glauben ihm das, so wie wir auch allen Helfern von z.B. "Tafeln" und anderen sozialen Einrichtungen beste Absichten unterstellen.
Die Frage ist aber doch gestattet, ob wir es uns leisten können tatenlos zuzusehen, wie immer mehr Menschen ins wirtschaftliche und gesellschaftliche "Aus" geraten.

Zur Suppe:
Rumfordsuppe oder Rumfordsche Suppe ist eine preisgünstige, nahrhafte Suppe auf der Grundlage von Graupen und getrockneten Erbsen. Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, erfand sie 1795 für die Soldaten der Armee seines Dienstherrn, des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz, und für die festgenommenen Bettler und Arbeitslosen in seinem Militärischen Arbeitshaus in der Münchener Au, um diese sparsam, aber dennoch nahrhaft zu versorgen. Sie wurde in der Folgezeit in zahlreichen Suppenküchen an Bedürftige ausgeteilt. Ich habe einige Jahre in München gelebt, in Untergiesing nahe der Isar und kenne die kleinen Herbergshäuser am Mühlenbach in der Au, die heute unter Denkmalschutz stehen. In der Au war das Arbeitshaus wo die erste Rumfordsuppe gekocht wurde. Die einfachste Rumfordsuppe besteht lediglich aus Graupen und Erbsen, die in Wasser über Stunden gekocht werden, bis eine sämige, dicke Suppe entsteht gewürzt mit Salz und Wein- oder Bieressig. Diese Suppe konnte im Arbeitshaus in der Münchener Au für 3 Pfennig pro Portion hergestellt werden. Benjamin Thompson hatte sie im Auftrag des bayrischen Kurfürsten kreiert, um Soldaten, Bettler und Arme zu speisen.

Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz und Bayern war ein großer Förderer und Mäzen, Seine Regierungszeit hatte enorme Bedeutung für die kulturelle, ökonomische und infrastrukturelle Entwicklung des süddeutschen Raumes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.(1724-1799)
In Düsseldorf, der Hauptstadt der Herzogtümer Jülich und Berg, geht die klassizistische Stadterweiterung auf Karl Theodor zurück. Dieser Stadtteil trägt seither den Namen Carlstadt. Baugeschichtlich besonders bedeutend ist das Schloss Benrath, das der Kurfürst zwischen 1755 und 1773 als Jagd- und Sommerresidenz errichten ließ. Auf Karl Theodor als Bauherrn gehen ebenfalls der spätbarocke Umbau des Düsseldorfer Schlosses, das Schloss Jägerhof sowie die Erweiterung und Öffnung des Düsseldorfer Hofgartens als Volksgarten zurück. In vielen Städten seiner früheren Territorien gibt es nach Karl Theodor benannte Straßen und Plätze. Kulturpolitisch folgenreich war seine Gründung der „Kurfürstlich-Pfälzischen Academie der Maler, Bildhauer- und Baukunst“ im Jahre 1773, aus der die heutige Kunstakademie Düsseldorf hervorging. Mit der Gemäldegalerie Düsseldorf, deren Kollektion später den Grundstock der Alten Pinakothek in München bildete, besaß Karl Theodor eine der bedeutendsten Kunstsammlungen des Barock.

Benjamin Thompson, der spätere Graf Rumford, war der Sohn kleiner Farmer aus Massachusetts.(1753 -1814)
Der charismatische und ehrgeizige Mann heiratete eine ältere vermögende Witwe in Rumford, wurde Offizier und interessierte sich für Naturwissenschaften. Als er 1784 in die Dienste des bayrischen Kurfürsten trat, war er schon von Georg dem Zweiten von England geadelt worden, ein umworbener Diplomat und Oberst und wurde vom Kurfürsten mit der Reorganisation der Armee beauftragt.Für Suppenküchen zur Speisung der Armen erfand er die Rumfordsuppe, ein billiges, aber nahrhaftes Eintopfgericht, das europaweite Verbreitung in der Armenfürsorge fand. Rumfordsuppe oder Rumfordsche Suppe ist eine preisgünstige, nahrhafte Suppe auf der Grundlage von Graupen und getrockneten Erbsen. Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, erfand sie 1795 für die Soldaten der Armee seines Dienstherrn, des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz, und für die festgenommenen Bettler und Arbeitslosen in seinem Militärischen Arbeitshaus in der Münchener Au, um diese sparsam, aber dennoch nahrhaft zu versorgen. Sie wurde in der Folgezeit in zahlreichen Suppenküchen an Bedürftige ausgeteilt. Zur Kostenersparnis wurde bald ein Teil der Graupen durch Kartoffeln ersetzt, was etwa einen Pfennig pro Portion einsparte. Auch empfahl Rumford, in die Suppenteller noch in dünne Scheiben geschnittenes altbackenes Weißbrot zu geben, das in Bäckereien übrig geblieben war – weil so gekaut werden muss. „Das Kauen befördert bekanntlich die Verdauung sehr kräftig; auch verlängert es die Dauer des Genußes beym Eßen“, wie Rumford anmerkte.


Für viele Arme war es die einzige Mahlzeit am Tag.