Reinhard Matz

Reinhard Matz: Chinesische Teekannensprüche, 2013
Reinhard Matz
Chinesische Teekannensprüche, 2013
Emailleschilder
60 x 75 cm
Auflagenobjekt
(c) Foto: joschwartz.com
Für das Projekt „Erbarmen als soziale Form“ hat der Kölner Künstler Reinhard Matz eine neue Arbeit entwickelt, die auf dem Boden der Diskussion um die Tafeln entstanden ist, aber ganz grundsätzlich soziale Wechselverhältnisse anfragt: „Geben und Nehmen und Tauschen“ liest man da beispielsweise. Erste Publikumsreaktionen zeigen, dass mit diesen Thesen und ihrer Form wirklich eingehende Dialoge angeregt werden.

Chinesische Teekannensprüche, 2013 ist eine Schriftarbeit auf Emaille-Tafeln im Format 60 x 75 cm und wird als Auflagenobjekt an verschiedenen Orten auf Dauer platziert. Reinhard Matz setzt auf eine langfristige Wirkung dieser syllogistischen Sätze. Daher liegt auf der Platzierung und den Besitzverhältnissen um diese Arbeit ein besonderer Akzent. Die sorgfältig ausgesuchten Orte prägen den Charakter der Arbeit entscheidend mit. Diese Orte erzeugen Wechselwirkungen sowohl mit den Schildern selbst als auch untereinander. Dass die mit den Präsentationsorten verbundenen Einrichtungen der Schilder diese in der Regel auch erwerben, ist ein besonderer Umstand der Realisierung. Die Installation erfolgt ab Juli 2013.

Bequem sind seine Kunstwerke und seine Projekte selten. Der Kölner Künstler und Dokumentarfotograf Reinhard Matz gehört zur rarer werdenden Sorte von Zeitgenossen, die gesellschaftliche, geschichtliche oder andere Gegebenheiten nicht als gegeben hinnehmen, sondern hinterfragen. Und das geschieht mitunter durchaus
provokant: sein gemeinsam mit Rudolf Herz 1997 unterbreiteter Vorschlag zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas sah einige gepflasterte und stark geschwindigkeitsbeschränkte Autobahnkilometer vor. Das typische Brückenschild dafür trug keine Kilometer- oder Richtungsanzeigen, sondern wies auf den Anlass der Erinnerung hin – und das genau auf jener asphaltierten Piste, die sonst seit dem dritten Reich so etwas wie ein primäres nationales Identifikationsobjekt ist. Es erübrigt sich fast zu erwähnen, dass dieser Vorschlag von den Fachleuten wegen seiner künstlerischen Qualität und Konsequenz favorisiert wurde und aus möglicherweise ähnlichen Gründen in den politischen Gremien wenig Gegenliebe fand. Von Reinhard Matz stammt auch die die Rot-Weiß gehaltene Strecke aus 24 Schildern, die minutiös die Ereignisse um den Einsturz des Kölner Stadtarchiv erläutern – und die 2012 - offiziell aus Gründen der Verkehrssicherheit – einen weniger prominenten Platz am Bauzaun einnehmen mussten. Wenn es also ein Erkennungszeichen für die Arbeiten von Reinhard Matz gibt, so ist es der knappe und nüchterne Einsatz von Sprache am geeigneten Ort - und damit verbunden eine gewisse Doppelbödigkeit der gesamten Situation, die spätestens im Laufe der Zeit ihre Tragweite erweist.

Der Ausdruck „chinoide Teekannensprüche“ stammt übrigens aus
einer Polemik Peter Handkes gegen Bertolt Brecht. Reinhard Matz hat diese Polemik produktiv umgekehrt: eher verschlungen thematisieren seine „Sprüche“ komplexe gegenseitige Verhältnisse zwischen Geben und Nehmen.

Geplante/in Aussicht stehende Orte
  • Sozialdienst katholischer Frauen, Mauritiussteinweg 77 – 79, Köln
  • Pax-Bank, Christophstraße, Köln

Realisierte Orte:
  • Caritas – Diözesanverband, Georgstraße 5, Köln
  • Pfarramt St. Aposteln
  • IN VIA, Stolzestr. 1a, Köln
  • Jugendbüro des Caritasverbands für die Stadt Köln e.V., Venloer Straße 277, Köln (c) Foto: joschwartz.com


Reinhard Matz, Chinesische Teekannensprüche, 2013, Venloer Straße